Ehrlich sein

 
 

Am 30. November fand der letzte JET in diesem Jahr statt. Wir hatten ein interessantes Thema mit einigen Diskussionen dazu und ich bin der Meinung, dass dieses wichtige Thema nicht nur unseren Kreis angeht, sondern dass alle davon profitieren sollten.

Ehrlich sein - in einer Gesellschaft, in der "so tun als ob..." erwünscht ist - wie gehen wir damit um? Und was bedeutet Gesellschaft in diesem Sinne für mich? Es sind keine entfernten Leute in Deutschland, sondern die Personen, mit denen ich tagtäglich Kontakt habe: Arbeitskollegen, Gemeindemitglieder, Freunde... und auch du selbst bastelst dir ein Idealbild, dem du nicht genügst und diese Tatsache willst du vor anderen und dir verbergen.

Zu welchen Personen sind wir denn so richtig ehrlich? Partner, Freunde, enge Freunde, Vater, Mutter, Gott... Einige aus unserer Gruppe gaben Vater und Mutter diesbezüglich weniger Punkte als etwa unseren Freunden, nämlich um die Familie nicht mit den eigenen Problemen zu belasten.

Nun gibt es ja nicht nur Nachteile, wenn man sich verstellt. Z.B. will ich vom Kapitän eines sinkenden Schiffes nicht hören, dass er auch Angst hat. Auch die Privatsphäre der Supermarktverkäuferin interessiert mich im Allgemeinen nicht. Von uns zusammengetragene Vorteile sind:
  • bestimmte Arbeitssituationen
  • man will seine Ruhe
  • man will die Anderen schützen
  • Selbstschutz
  • Vermeidung von Konflikten
Andererseits bringt ein "sich verstellen" auch Nachteile mit sich:
  • Unehrlichkeit
  • man wird missverstanden
  • man erhält keine Hilfe/Zuspruch
  • es beeinflusst sogar die Selbstwahrnehmung
Dann überlegten wir, wie wir uns geben, wenn wir uns verstellen, was wir zeichnerisch versucht haben, darzustellen. Darüber diskutierten wir anschließend, wo sich uns der interessante Gedanke entlocken ließ, dass man Anderen versucht, nicht in die Augen zu sehen, denn in den Augen lässt sich oft sehr viel herauslesen.

Anschließend fragten wir uns, in welchen Situationen wir etwas vorspielen und in welchen wir ganz ehrlich sind. Zusammen mit diesen Gedanken sollen hier Möglichkeiten genannt werden, um anderen Ehrlichkeit zumindest vor mir zu ermöglichen:
  • Wenn ich einen abwesenden Blick beim Anderen erkenne, könnte ich bei ihm vorsichtig anfragen. Allerdings sollte ich ihm auch die Möglichkeit geben, nicht antworten zu müssen - auf jeden Fall habe ich meine Anteilnahme gezeigt, die dem Gegenüber gezeigt haben, dass er mir nicht egal ist.
  • Ich sollte den Anderen Situationen anbieten, sich öffnen zu können. Wenn ich einer bin, der intime Informationen unerwünscht weitererzähle, biete ich keine günstige Situation. Auch sollte ich dem anderen Ehrlichkeit gewähren, selbst wenn er mir von einem Problem erzählt, das in meinen Augen naiv, witzig, oder gar falsch ist. Der Andere sollte nie die Empfindung haben, dass ich sein Verstellen erwarte!
  • Das schließt auch mit ein, dass ich nicht ständig meine eigenen guten Seiten herausstelle ("in der Bibellese, habe ich heute..." - kann der andere dann noch von seinen Schwierigkeiten berichten, sich ans Bibellesen zu zwingen?)
  • Eine Voraussetzung ist auch: Ehrlich sein vor mir selbst.
  • In manchen Situationen (z.B. auf Arbeit) ist dies allerdings nicht vermeidbar. Dort sollte man versuchen, sich neutral zu verhalten - aber nicht, sich zu verstellen.
  • Sei dem Anderen gegenüber eine Person, der er vertrauen kann.

 
 
12.12.2008, 12:37 Uhr
Autor: Micha Schubert
 
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