Sabine Ball in Neudorf

 
 

Die faszinierende Lebensgeschichte einer 81-Jährigen

Sabine Ball spricht in vollbesetzter Kirche.

"Ich habe zwar inzwischen einen alten Körper, aber in ihm schlägt ein junges Herz voller Ideen". Mit diesen Worten beginnt Sabine Ball am Sonntagabend ihren Vortrag vor etwa 320 Zuhörern in der Neudorfer Kirche. "Mit meiner Lebensgeschichte möchte ich besonders Jugendliche ermutigen, ein neues Leben anzufangen", erklärt sie weiter. über 90 Minuten erzählt die 81-jährige dann ohne Mühe aus ihren Leben und das so, dass es den Zuhörern an keiner Stelle langweilig wird. "Was ich anpacke, will ich immer mit ganzen Herzen tun, und das habe ich auch bis heute so gehalten." Dieses Zitat zieht sich wie ein Leitfaden durch den Abend. Das 1925 in Königsberg geborene, hübsche Mädchen wächst in einer behüteten Familie auf. Gegen Ende des Krieges flieht sie mit ihren Eltern nach Dresden und entscheidet sich nach der Bombenacht im Februar 1945 zu einer Flucht nach Amerika. Dort arbeitet Sabine Ball zunächst als Kindermädchen. "Doch ich wollte es ja zu etwas bringen", gesteht sie und beginnt eine Ausbildung zur Hotelfachfrau. Ein betuchter Hotelier beauftragt sie mit der Leitung seines exklusiven Jachtclubs vor Miami. Dort beeindruckt sie der Reichtum der Gäste. Sie lernt einflußreiche Persönlichkeiten wie Conrad Hilton, Richard Nixon und auch ihren späteren Ehemann kennen. "Ich dachte, wenn ich all das habe, was er mir bieten kann, dann bin ich glücklich."

Aber sie macht andere Erfahrungen. Tägliche Partys und Gesellschaften lassen ihren Ehemann zum Alkoholiker werden. "So wollte ich nicht weiterleben, ich zog mit meinen zwei Söhnen aus."

Später knüpft sie neue Kontakte. Sie trifft Künstler, Intellektuelle und Hippies, lebt mit ihnen und versucht sie aus der Drogenabhängigkeit zu bringen. Ihr Alltag wird von einer ruhelosen Suche nach dem Sinn des Lebens bestimmt. Als 46-jährige meditiert sie Monate im Nepal nach der großen Erleuchtung. Doch erst als sie 1972 mit dem christlichen Glauben konfrontiert wird, endet die Ruhelosigkeit. Sie verzichtet auf die finanzielle Unterstützung ihres Mannes und beginnt einen tiefchristlichen Lebensstil. Nach einem Aufenthalt in der ehemaligen DDR spürt sie: Ich muss den jungen Menschen dort helfen. Sie betreut Anfang der 90iger Jahre Inhaftierte im Bautzener Gefängnis. 1993 kauft sie zwei Häuser in Dresden und eröffnet das Cafe "Stoffwechsel". In ihm treffen sich zunächst Straßenkinder, heute sind es gefährdete Jugendliche. Inzwischen umfasst ihr Mitarbeiterstab 50 Leute. Sie hat noch immer Visionen und möchte auch zunächst in Deutschland bleiben. "Ich habe eine Frau kennen gelernt, die eigentlich alles hatte was sie sich wünschte, und trotzdem erst durch Gott zur Ruhe kam, das kann immerhin jeder ausprobieren" reflektiert Zuhörer Jochen Weinhold den Abend.



Drei Fragen an Sabine Ball


Was motiviert Sie nach all den Jahren?
Die Jugend und das Negative, das ihr angeboten wird. Ich meine diverse Magazine, Konzerte und Computerspiele. Das muss uns etwas angehen, wir müssen uns einmischen. Die Jugend braucht Vorbilder.

Was raten Sie Menschen unserer Region?
Die Jugend soll zusammenhalten in lebendigen Gemeinden wachsen oder neue gründen. Jeder sollte seiner Berufung nachgehen.

Wo lauert Ihrer Meinung nach die größte Gefahr in Deutschland?
"In der Gottlosigkeit des Landes und den dadurch entstehenden Konsequenzen in allen Lebensbereichen"

 
 
27.02.2007, 14:03 Uhr
Autor: Christine Bergmann
 
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